April 13, 2012
Nanyang - Henan Provinz
Letzten Herbst hat mich ein Projekt beruflich nach Nanyang gebracht. Nanyang ist eine Stadt im Sueden der Provinz Henan im Nordosten Chinas. Laut Wikipedia hat die Stadt eine Einwohnerzahl von ca. 10 Mio. (Stand: 2002).
Meine Erlebnisse vor Ort hatte ich damals mal in ein paar Zeilen zusammengefasst, allerdings bisher noch nicht veroeffentlicht. Dies hole ich hiermit nach:
Kurzer Hintergrund: Wir wurden von unserem Auftraggeber beauftragt dort die "Buecher" eines Unternehmens zu sichten, welches sie beabsichtigen zu uebernehmen. Im fachjargon spricht man hierbei von einer Due diligence im Rahmen einer potentiellen M&A Transaktion.
Das Team, das ich leitete und ich trafen am Flughafen Shanghai auf unserem Auftraggeber mit samt seiner Mannschaft. Geschaetzt waren wir ca 10-12 Personen. Zusammen sind wir dann gemeinsam in unseren Flieger gestiegen, ein wirklich kleiner Flieger mit ca 60 Sitzplaetzen. Schnell war mir klar warum. Es verkehrt taeglich nur ein Flieger zwischen Shanghai und Nanyang.
Der rund 2 stuendige Flug war recht gewoehnungsbeduertig. Durch die Groesse des Fliegers bedingt sind wir die ein oder anderen Male in Turbulenze geraten. Der Flug aehnelte einer Karusellfahrt.
Je naeher wir unserem Ziel kamen, desto wenigr Lichter war auf der Erdoberflaeche zu sehen (es war schon Nacht). Nach der Landung hat sich schnell ein beissender Geruch in der Kabine breit gemacht. Urspruenglich dachte ich es sei Reifengeruch gesesen, der durch die Landung verursacht wurde. Als ich dann das Flugzeug auf dem Rollfeld verliess und zu Fuss Richtung Terminalbuilding ging erkannte ich schnell dass die Luft hier generell anders war. Das Atmen fiel deshalb so schwer, weil so viel Dreck und Staub in der Luft war. Unglaublich, so etwas habe ich vorher nocht nicht erlebt gehabt. Dagegen ist die Luft in Shanghai ja reinste Alpenluft.
Am naechsten Morgen fuhren wir dann in einem Tross von 10 Leuten in 2 Waegen etwa 40 km zur Geschaftsstelle des Unternehmens, welches unser Auftraggeber kaufen moechte. Dort angekommen wurden wir in einen Meetingroom gefuehrt, wobei die Bezeihnung eher irrefuehrend ist. Es handelte sich um einen dunklen und dadurch recht kuehlen und leeren Raum mit einem Tisch und Stuehlen - ein umfunktionierter Duschraum!
Die sanitaeren Einrichtungen waren fuer eine chin Unternehmen nicht ungewoehnlich, allerdings fuer unsere Verhaeltnisse aeusserst gewoehnungsbeduerftig. Ein Raum mit drei Loechern im Boden und entsprechendem Gestank.
Mittags wurden wir dann von den Geschaeftsfuehrern des dort ansaessigen Unternehmens zum Mittagessen ausgefuehrt. Ebefalls nicht untypisch fuer derartige Geschaeftsessen in China werden hier zu Hauf die lokalen Koestlichkeiten auf den Tisch gestellt. Insbesondere wenn Laoweis, also Westler am Tisch sitzen, wird es spannend. Es gilt als aeusserst unhoeflich "Nein" zu etwas zu sagen, das einem angeboten wird. Also Augen zu und durch! Ich moechte nicht wissen was ich da alles gegessen hatte. Frittierte Maden waren da wohl noch das harmloseste.
Zu einem ordentlichen Geschaeftsessen gehoert auch eine ordentliche Portion Alkohol. Hier gilt es ebenfalls: Nein-Sagen kommt nicht gut. Da interessiert es die anderen auch recht wenig, dass man selbst den Nachmittag noch fuer seinen eigentlichen Auftraggeber weiterarbeiten muesste. Also, hoch die Tassen, mit 10 Leuten am Tisch anprosten und weg das Gesoeff. Das ganze wird mit einem freundlichen "gan bei" (i.e. leer' das Glas!) begleitet. Ich war nur froh, dass ich mit Bier gut weggekommen war. Nicht selten kommt es vor, dass chinesischer Schnaps in der Form eines "bai jiou" (i.e. weisser Alkohol) gereicht wird. Strohrum ist ein Dreck dagegen - das ist reiner Spiritus....
Nach dem Essen hofft man dann nur das der Magen mitspielt und man nicht die sanitaeren Anlagen auf der "Geschaeftstelle" (Anmerkung siehe oben) aufsuchen muss, ansonsten hatte man ein Problem - unser Hotel war ja 40km weit weg....
Die Arbeit an sich stellte sich ebenfalls als grosse Herausforderung aus. Wie fuer von chinesischen Privatpersonen gefuehrten Unternehmen in China nicht unueblich, werden keine ordentlichen Buecher (i.e. Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen) gefuehrt. Oftmals gibt es auch verschiedene Buecher - ein Set fuer die Steuerbehoerde und ein anderes fuer den Eigentuemer. Die Wahrheit liegt dann wohl meist irgendwo dazwischen.
Nach einer Woche sind wir dann voellig erschopeft und der Leberzirrhose nahe wieder nach Shanghai zurueckgekehrt sowie um eine neue Erfahrung reicher....